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  Singlebörsen-News vom 19. April 2010

Fünf Minuten zum Glück
Redakteur testet ein Single-Event von "speed2meet.net"

Das Phänomen Speed-Dating ist – spät, aber doch – auch in Innsbruck angekommen. 6020-Redakteur Flo Pranger hat das schnelle Kennenlernen getestet und seine Erfahrungen in „Fünf Wahrheiten übers Speed-Daten“ zusammengefasst.

Speed-Dating wurde 1998 von einem cleveren Rabbi in Kalifornien erfunden, um die Anzahl der geschlossenen Ehen innerhalb der jüdischen Gemeinde zu erhöhen. Schon vor einigen Jahren über den großen Teich geschwappt, ist das Phänomen jetzt auch in Innsbruck angekommen. In unregelmäßigen Abständen treffen sich im Hotel Grauer Bär zehn bis 15 Singles, um potenzielle Sexual-, Lebensabschnitts-, Ehe- oder sonstige Partner – kennenzulernen, und zwar im Eiltempo, sprich: fünf Minuten pro Person. An diesem Sonntagabend bin ich einer von ihnen. Das Prozedere im Schnellverfahren: Anmeldung per Internet (Angabe der Altersstufe erforderlich), Eintreffen am Ort des Geschehens, Begleichen der Teilnahmegebühr (29 Euro), Platznehmen an einem der bereitgestellten Tische, Warten bis alle da sind – los geht’s! Die Damen bleiben auf ihren Stühlen, die Herren wechseln alle fünf Minuten den Sitzplatz. Jeder Teilnehmer hat einen Nickname, der vom jeweiligen Gesprächspartner notiert wird. Hat man alle Kandidaten durch, kann man frisch geknüpfte Banden gleich vor Ort an der Bar verfestigen oder sich sofort aus dem Staub machen – ganz, wie man es für richtig hält. Will man ein Gegenüber wiedersehen, setzt man ein Kreuz neben den Nickname und gibt seinen Zettel am Ende bei der Dateleitung ab. Bei Übereinstimmung wird man von den Organisatoren kontaktiert und erhält die E-Mail-Adresse oder Telefonnummer des jeweils anderen.

Fünf Wahrheiten übers Speed-Daten

  1. Das schlechte Image ist unbegründet.
    Zum Speed-Dating gehen nur jene Restplatz- Loser-Singles, die man sonst in diversen Internetforen antrifft? Dem muss strengstens widersprochen werden. Stattdessen gibt es (zumindest an diesem Abend): Eine freundliche Atmosphäre, nette, redselige und so gar nicht unattraktive Teilnehmer, angenehme und interessante Gespräche.
  2. Fünf Minuten sind kurz.
    Man ist gerade mitten drin in einer Unterhaltung, wartet die Antwort des Gegenübers ab, um das aufkeimende Interesse mit einem lockeren Lachen und einem ungläubigen: „Was echt?“ zu unterstreichen – da ertönt das Signal zum Partnerwechsel. Fünf Minuten können zwar oft sehr lang sein (siehe Zahnarzt, Bushaltestelle), doch beim Speeddating gibt’s die mitunter kürzesten fünf Minuten der Welt.
  3. Jedes Speed-Date ist anders.
    Der klassische Gesprächseinstieg läuft entweder über den Nickname des Gegenübers („Kristall – du magst also Mineralien?“) oder über die Frage nach Beruf und Freizeitbeschäftigungen. Man könnte glauben, dass alle fünf Minuten dementsprechend nach dem gleichen Muster verlaufen. Tun sie aber nicht: Trotz ähnlichem Beginn biegen die Gespräche an ganz unterschiedlichen Stellen ab, haken an den verschiedensten Punkten ein und strotzen nur so vor Unverwechselbarkeit.
  4. Speed-Dating ist anstrengend.
    Zwar mögen fünf Minuten schnell verplaudert sein, nach 15 mal fünf Minuten (und einer Pinkelpause) hat man sich den Mund aber ziemlich trocken geredet. Den Teilnehmern ist die Ermüdung jedenfalls ins Gesicht geschrieben. Kein Wunder, schließlich hat man versucht, sich bis zum Schluss voll zu konzentrieren – vielleicht ist ja gerade Nummer 15 der Traumpartner ...
  5. Speed-Dating macht Sinn.
    Mehrere interessante Singles in kurzer Zeit, kaum bis nicht alkoholisiert und eine hohe Wahrscheinlichkeit auf ein Wiedersehen – wo gibt’s das sonst? Und wenn es gar nicht klappt mit einer Übereinstimmung, hat man sich wenigstens anderthalb Stunden angeregt unterhalten. Einzig die Teilnahmegebühr verleiht dem Ganzen einen unpassend marktwirtschaftlichen Charakter. Andererseits: Eine Monatsmitgliedschaft bei einer Online-Singlebörse bekommt man auch nicht gratis. Übrigens: Bei wissenschaftlichen Untersuchungen zum Speed-Dating wurde festgestellt, dass die Gesprächsinhalte völlig unwichtig sind. Worauf es ankommt, ist das Äußere. Wer optisch attraktiv gefunden wird, hat mehr Übereinstimmungen. Was so kultiviert und aufgeräumt daherkommt, scheint also doch stark auf niedere Instinkte und die damit verdienbaren Brötchen abzuzielen. Wer hätte das gedacht?

 

 

Quelle: Speed2meet.net

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