Singlebörsen-News  » Meldung vom 1. August 2013

Gefahr Romance Scamming
So vermeiden Sie die Liebesfalle im Internet

 

Ein Jahr ist es her, dass die Hamburgerin Frau A. Opfer von Romance Scamming wurde. Doch bis heute hat sie den Schmerz nicht vollständig überwunden. Auf der eDarling-Podiumsdiskussion zum Thema: „Romance Scamming – Heiratsschwindel 2.0“ hat sie nun zusammen mit Experten über ihr persönliches Schicksal und die Folgen von Romance Scamming gesprochen.


Romance Scamming: Die erste Nachricht

Bevor die Diskussion beginnt, zittern A.s Hände. Sie wirkt angespannt. Dann beginnt die Hamburgerin zu erzählen. Am 05. Juli 2012 bekam sie bei Facebook eine Nachricht von George Davis. „Hey Sweety“, schrieb er, „you are looking so beautiful, charming and younger“ (dt.: Hey Süße, du siehst so hübsch, charmant und jünger aus). Frau A., die zu diesem Zeitpunkt 63 Jahre alt war, fühlte sich geschmeichelt, wie sie erzählt.

Früher arbeitete sie als Sekretärin und Programmiererin. Heute ist sie in Rente, betreibt in ihrer Freizeit ein Internetforum und gibt Computernachhilfeunterricht. „Ich dachte, ich kenne mich mit den Gefahren im Internet aus“, sagt A. Romance Scamming kannte sie bis dato jedoch nicht.

 

Intensiver Kontakt

Zwischen ihr und George entstand bald ein reger Nachrichtenaustausch. Schnell erzählte der Scammer mehr von sich. Er sei 57, alleinerziehender Vater, arbeite als Biologe, liebe Fußball und gehe gern am Strand spazieren. „Er schickte sogar Bilder seiner Tochter“, erzählt die Hamburgerin.

Auf einem Foto, welches nun an der Wand hinter den Diskutanten zu sehen ist, trägt das kleine Mädchen ein weißes Kleid. „Angeblich habe sie sich nur für mich so hübsch gemacht“, erinnert sich die heute 64-jährige. „Ich war so gerührt. Ich liebe Kinder und sah mich bereits als Ersatzmutter für das Mädchen.“ Bei diesen Worten steht ihr die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. „Ich überlegte sogar, eine größere Wohnung zu nehmen. Ich hatte mich verliebt“, ergänzt sie traurig.

 

Auswahl der Opfer bei Romance Scamming

„Wie konnte mir das passieren und warum hat er sich gerade mich ausgesucht?“ eDarling-Psychologin Wiebke Neberich weiß die Antwort. „Bei Romance Scamming gehen die Täter in der Regel systematisch vor“, erklärt die Psychologin. „Sie kontaktieren mehrere hundert Personen und konzentrieren sich dann auf diejenigen, bei denen sie sich den größten Gewinn versprechen.“

„Wahrscheinlich handelte es sich am Anfang um eine Massenmail“, vermutet der eDarling-Sicherheitsexperte Guiliano Ianotta. „Deshalb auch die Anrede „Sweety“. Das können die Kriminellen zu jeder Frau sagen.“

 

Emotionale Bindung der Opfer

Nach der Kontaktaufnahme versuchen die Scammer zwischen sich und dem Opfer eine emotionale Bindung herzustellen. „Die Kriminellen präsentieren sich als die „idealen“ Partner“, weiß Neberich. „Die Betroffenen empfinden den Kontakt zu ihnen als angenehm und erhalten ihn deshalb aufrecht. Außerdem überspringen Romance Scammer die Phase der Verliebtheit. Sie sichern ungewöhnlich früh und wiederholt „ewige Liebe und Treue“ zu. Dies ruft ein Gefühl der Sicherheit hervor, das den „inneren Kritiker“ der Betroffenen beruhigt. Mit der Zeit verlieben sich die Opfer in den Scammer. Begünstigt wird dieser Prozess zudem durch die physische Distanz, die es ermöglicht, den „Partner“ in starkem Maße zu idealisieren.“

 

If it’s too good to be true, it probably isn't

„Scammer sind alle immer super nett und super perfekt“, ergänzt Ianotta. Internetnutzer sollten sich deshalb immer fragen, ob es normal ist, dass ausgerechnet sie eine derartige Nachricht erhalten. Besteht Unsicherheit, ob es sich tatsächlich um Romance Scamming handelt, sollte er oder sie eine zweite, unabhängige Meinung einholen. Das empfiehlt auch der Berliner Hauptkommissar und Dezernatsleiter für Waren- und Leistungsbetrug und Cybercrime Carsten Szymanski. „Wenn man niemanden hat, ist es auch nicht verkehrt, bei der Polizei anzurufen“, rät er.

 

Die Geldforderung

Auch der angebliche Biologe schaffte es, zu Frau A. eine emotionale Bindung herzustellen. Selbst als ihr Sohn sie vor einem möglichen Romance-Scamming-Betrug warnte, glaubte die Rentnerin an die Echtheit der ihr entgegengebrachten Gefühle. Dann erhielt Frau A. jedoch eine weitere Nachricht von George. Er erklärte, er müsse nach Malaysia reisen, um dort das Gut seines verstorbenen Vaters aufzulösen. Für den 17. August plane er seinen Rückflug über Hamburg. Dort möchte er einige Tage zusammen mit der Rentnerin verbringen.

„Am 13. August, das weiß ich noch ganz genau“, erzählt die die 64-jährige, „schrieb er mir, dass er einen Termin beim malaysischen Finanzamt hatte und eine Mehrwertsteuer in Höhe von 6.000 Euro bezahlen müsse, um das Gut verkaufen zu können.“ George bat sie, ihm das Geld zu überweisen. Erst jetzt bemerkte die Hamburgerin, dass sie Opfer von Romance Scamming geworden war. Sie zahlte nicht.

 

Forderungen ignorieren

Damit habe sich die Rentnerin in dieser Situation völlig richtig verhalten, meint auch Szymanski und berichtet in diesem Zusammenhang von Romance-Scamming-Fällen, bei denen die Täter nur 50 oder 100 Euro gefordert hätten. „Das ist der Einstieg in eine Spirale“, erklärt er. „Später fordern die Scammer dann immer mehr Geld.“

 

„Bei Romance Scamming entspricht kaum etwas der Wahrheit!“

Viele Betroffene von Romance Scamming zahlen jedoch auch weitaus höhere Summen. Neberich erklärt den Grund: „In dem Moment der Geldforderung übt der Scammer Druck aus. Es kommt zu einer emotionalen Erpressung: Wenn der/die Betroffene nicht hilft, dann trägt er/sie die Schuld an etwas Furchtbarem, was zudem einen weiteren Kontakt unmöglich macht. Betroffene helfen, da sie sich verantwortlich fühlen und den Kontakt nicht aufgeben möchten.“ Diese vorgetäuschten Geschehnisse entsprechen jedoch niemals der Wahrheit.

Diese Meldung stammt von eDarling AT.

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