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Willkommen in der Socken-Singlebörse
Wien, 23.11.2008 - Einen Treffpunkt für einsame Socken, die
ihren Partner in der Wäsche verloren haben, wurde jetzt endlich ins
Leben gerufen...
Über manche Dinge lohnt es sich wirklich nicht mehr zu schreiben.
Wer heute noch Witze über Kärnten macht, ist schon retro. Wer
sich über die hyperinflationäre Verwendung des Wortes „Lebensmensch“
echauffiert, hat den Anschluss ebenfalls verpasst. Auch jegliche Lob-
oder Hassschrift über Punsch, Advent und dieses ganze Weihnachtsgetue
ist angesichts unzähliger einschlägiger Elaborate längst
hinfällig. Im Grunde ist ja zu jedem Thema eigentlich schon alles
gesagt worden.
Zeit also, um sich langsam wieder auf das Wesentliche zu besinnen
– das für uns ja immer wichtiger wird, wie Josef Hader es einmal
formuliert hat. Reden wir über Socken. Darüber, dass schwarze Socken
in der Waschmaschine unterschiedliche Formen annehmen, auf dass sie
danach nie mehr ihrem Gegenüber zugeordnet werden können. Ja, eine
Trennung tut weh. Reden wir daher auch über die Socken-Singlebörse,
in der einzelne Söckchen verzweifelt auf die Rückkehr des Zwillings
warten – oder ihn einfach nicht mehr erkennen, wenn er ausgebleicht
und zu Tode geschleudert aus der Waschmaschine geholt wird.
Das Äquivalent zur Kontaktbörse à la „Love.at“ im Internet
spielt sich in der analogen Welt der Socke meist irgendwo zwischen
Wäscheständer und Kommode ab – mit ähnlich schlechten Aussichten,
jemals die Wunschsocke leibhaftig zu Gesicht zu bekommen. Geben Sie es
zu, auch Sie haben einen solchen Hügel der einsamen Socken, auf dem
in unregelmäßigen Abständen ein – in der Regel erfolgloser –
Versuch gestartet wird, aus den textilen Singles doch noch Pärchen zu
bilden. Und kommen Sie mir jetzt nicht mit Sockenklammern. Denn über
manche Dinge lohnt es sich wirklich nicht nachzudenken.
Quelle: diepresse.com
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